Komfortabler Dateimanager mit vielen Funktionen

Vom PC zum Mac

By Sven on 03.03.2015 - 14:55 in Mac

Etwas mehr als fünf Jahre ist es nun her, als ich den ersten Kontakt zur Apple-Welt hergestellt habe. Aus dem Wunsch, in die OS X-Programmierung hineinzuschnuppern, ist bis heute leider noch nicht viel geworden. Ich habe zwar mehrere Anläufe unternommen, mit Objective C bin ich aber nie richtig warm geworden. Mittlerweile gibt es Swift und vielleicht auch einen neuen Versuch.

Im Sommer 2011 folgte dann ein MacBook Air. Die ersten Versuche zur Abbildung meiner Windows-Arbeitsumgebung machte ich mit VMware, das kannte ich vom PC. Recht schnell folgte dann aber der Wechsel zu Parallels. Parallels merkt man an, dass es direkt für den Mac entwickelt wird, es passt sich einfach besser in die Umgebung ein. Zur Entwicklung taugte das Air aufgrund des doch recht schwachen Core2Duo-Prozessors nicht so recht. Was aber richtig gut funktionierte, war das Schreiben der Hilfe für SpeedCommander 14. Mit dem leichten Air war es ein Vergnügen, die Hilfe  auf der sonnigen Terrasse komplett zu überarbeiten. Das nicht vorhandene DVD-Laufwerk und der fehlende Ethernet-Anschluss fielen überhaupt nicht negativ auf.

Ein Jahr später stellte Apple dann das erste Retina-MacBook vor. Die Annehmlichkeiten eines hochauflösenden Displays kannte ich mittlerweile von iPhone 4 und iPad 3. So konnte ich es kaum erwarten, dies auch im Computerbereich zu erleben. Das MacBook Pro war mit i7-Prozessor und 16 GB RAM leistungsstark genug für die Windows-Entwicklung. Leider waren Windows 7, Outlook 2003 und Visual Studio 2008 nicht wirklich für HiDPI-Bildschirme ausgelegt, so dass ich Windows mit normaler Auflösung betreiben musste. Das betraf damals aber auch etliche Mac-Anwendungen, für die HiDPI ebenfalls Neuland war.

Im Januar 2014 war dann mit dem UP2414Q der erste 4K-Monitor von Dell für PCs lieferbar. Mittlerweile war ich auf Windows 8, Outlook 2013 und Visual Studio 2013 umgestiegen, die auf dem MacBook Pro ziemlich problemlos unter HiDPI liefen. So schien die Zeit endlich reif für einen 4K-Monitor am täglichen Arbeitsplatz. Nach dem ersten Anschließen kam aber schnell Ernüchterung auf. Für die Anzeige von 3840×2160 in 60 Hz musste der MST-Modus aktiviert werden, bei dem sich der Monitor als zwei Monitore mit jeweils 1920×2160 zu erkennen gibt. Ein Bug im Intel-Grafiktreiber sorgte aber dafür, dass linke und rechte Bildschirmseite vertauscht angezeigt wurden. Das würde sich zeitnah nur durch eine zusätzliche AMD/Nvidia-Grafikkarte abstellen lassen. Soweit kam es aber gar nicht.

Ich arbeite unter VMware viel mit virtualisierten Umgebungen. So kann man ohne weiteren Hardwareaufwand schauen, wie sich SpeedCommander auf älteren Windows-Versionen verhält und zur Not auch mal schnell den Debugger zu Hilfe nehmen. Leider ist VMware Workstation überhaupt nicht an die Verwendung in einer HiDPI-Umgebung angepasst. Das führt dazu, dass bei einer 200%-Skalierung die virtuellen Maschinen 1:1 angezeigt werden und somit nur halb so groß sind. Man müsste also in jeder virtuellen Maschine ebenfalls eine 200%-Skalierung aktivieren, um diese halbwegs normal verwenden zu können. Ältere Windows-Versionen sind damit aber hoffnungslos überfordert. Man bräuchte also für ältere Versionen wieder einen zweiten Rechner mit einem normalen Bildschirm. In Parallels lässt sich mit einer einzigen Einstellung festlegen, ob die virtuelle Maschine die native Auflösung verwenden soll oder eine skalierte. Ohne eine solche Option kann mit VMware in einer HiDPI-Umgebung nicht vernünftig gearbeitet werden.

Aber nicht nur VMware machte Probleme, auch einige andere Anwendungen hatten mit dem 4K-Bildschirm Schwierigkeiten. So packte ich den Monitor am nächsten Tag wieder in die Kiste und schickte ihn zurück. Stattdessen holte ich mir einen 27″-Bildschirm mit 2560×1440 Pixeln und fand mich damit ab, dass ein 4K-Bildschirm an einem stationären Rechner für absehbare Zeit ein unerfüllter Wunsch bleiben würde.

Im Oktober stellte Apple dann den neuen 5k-iMac vor. Meine erste Begeisterung wich schnell der Einsicht, dass ein solches Gerät nicht in mein Windows-Arbeitsumfeld passen würde. Die Gedanken ließen mich aber nicht los und ich habe gemerkt, dass ich die Sache aus einem falschem Blickwinkel betrachtete. 5120×2880 ist bei gleicher Bildschirmgröße exakt viermal so groß wie meine bisherige Auflösung (quasi das HiDPI-Optimum) und der i7-Prozessor ist genauso leistungsstark wie mein aktueller Rechner. Die Erfahrungen mit Parallels auf dem MacBook Pro haben gezeigt, dass Windows-Virtualisierungen problemlos funktionieren. Zudem habe ich in den fünf Jahren OS X als angenehmes Betriebssystem kennengelernt, auf dem man sich wohlfühlen kann.

Und so habe ich mir den 5k-iMac bestellt und bin seit November 2014 vollzeitlicher Mac-Benutzer. In den ersten Tagen habe ich noch Outlook 2013 verwendet, bin dann aber recht zügig auf Apple Mail umgestiegen. Über den Zwischenweg Outlook 2011 für Mac und mit Hilfe des OLM File Converters konnte ich alle Mails seit 1997 ohne Verlust übernehmen. Visual Studio 2013 und SpeedCommander laufen in einer Windows 8-VM unter Parallels im Coherence-Modus und integrieren sich so fast nahtlos in die OS X-Umgebung. Zudem habe ich noch weitere virtuelle Maschinen (z.B. Windows XP oder Windows 7) im Einsatz, die sich bei Bedarf im normalen Fenstermodus starten lassen.

Die Arbeit an einem HiDPI-Bildschirm macht extrem viel Spaß. Texte sind gestochen scharf und wirken wie gestanzt. Gerade bei der Entwicklung hat man ja viel mit Texten zu tun. Setzt man sich dann mal wieder an den alten Bildschirm, dann wirkt alles auf einmal recht pixelig.

In den letzten Monaten hat sich nun ein neues Arbeitsumfeld ergeben, das ich nicht mehr missen möchte. Die Time Machine sorgt für stündliche Backups, die dann im Laufe der Zeit zu täglichen Backups der letzten 30 Tage und zu wöchentlichen Backups der letzten Monate konsolidiert werden. Dafür muss man nur eine externe Festplatte anschließen, einen Schalter umlegen und bei Bedarf noch ein paar Ordner (z.b. die kompilierten Zwischendateien) ausnehmen. Alles andere geschieht automatisch. Apple Mail zeigt beim Klick auf eine eMail auch den zur eMail passenden Verlauf ordnerübergreifend an, das erspart häufig ein Suchen. Und muss man trotzdem doch einmal suchen, dann geschieht dies dank Indizierung blitzschnell. Kontakte und Termine werden über die iCloud automatisch auf iPhone und iPad synchronisiert, zusätzliche Anwendungen sind hier nicht nötig. Pages und Numbers haben Word und Excel ersetzt. Nachrichten und SMS kann ich nun direkt am Mac tippen und lesen. Auch das Anrufen und Angerufenwerden ist möglich, ohne das iPhone aus der Tasche nehmen zu müssen. Es funktioniert einfach alles ohne zusätzliches Basteln. Daran muss man sich als gelernter Windows-Anwender aber auch erst einmal gewöhnen und vor allem auch darauf einlassen wollen.

Der Mac Mini von 2009 ist übrigens auch wieder im Einsatz. Aufgerüstet mit Speicher und SSD läuft auf ihm mein TFS2013 in einer Parallels-VM. Mit 10 Watt im Leerlauf ist der Mini äußerst sparsam und vor allem extrem leise. Abends legt er sich schlafen und wacht unter der Woche morgens selbst wieder auf. Über ein VPN kann man auch von außerhalb darauf zugreifen und ist bei der Entwicklung nicht mehr nur auf das Büro angewiesen.

Trotz des neuen Arbeitsumfelds wird sich an meiner eigentlichen Arbeit aber nichts ändern. Die Entwicklung von SpeedCommander für Windows steht selbstverständlich weiter im Vordergrund. Es könnte aber durchaus passieren, dass die nächsten Versionen noch etwas benutzerfreundlicher werden.

Es gibt 11 Kommentare zu diesem Beitrag

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  1. homer sagt:

    Hi.
    Bin selber nach Jahrzehnten mit Windows auf
    Mac umgestiegen. Nur der SC fehlt mir.

  2. tux. sagt:

    Tja, OSX kennt tatsächlich keine wirklich guten Dateimanager. Wenn der SC benutzerfreundlicher wird, dann nicht wegen OSX – sondern trotzdem.

  3. Thomas sagt:

    Programmierer und Sonne? 😉

  4. Lefteous sagt:

    Ich nutze eine ähnliche Arbeitsumgebung – wenn auch leider kein Retina-iMac. Mit einem Mac als Host lässt es sich super arbeiten.
    Die Frage ist halt, ob man so wirklich die Sicht auf die Problemchen der Windows-Nutzer haben kann.

    • Sven sagt:

      Nun, SpeedCommander läuft ja in einer VM auch nicht anders als auf einem richtigen PC. Die Problemchen der SpeedCommander-Nutzer sollten daher auch in einer VM die gleichen bleiben. Und für Notfälle steht hier auch noch mein alter PC.

      • Jerkface sagt:

        Glaube ich nicht. Also das es folgenlos bleibt, wenn jemand der Windows Software entwickelt, selbst gar nicht mehr Windows benutzt. Das muss sich früher oder später auf die ein oder andere Weise irgendwie zeigen.

        Mit einer VM ist es ähnlich. Man möchte ja meinen das es keine Unterschiede gibt, zu einer Software die nativ läuft, aber auch hier würde ich mich darauf verlassen, dass sich hier und da nicht doch Unterschiede zeigen, auch wenn diese vielleicht sehr klein sein mögen.

        Aber was solls.

  5. Ruben sagt:

    Nach Version 10 habe ich keinen SpeedCommander mehr gekauft, weil seither Linux und Mac – Nutzer…
    Alle paar Jahre schaue ich aber mal in der Hoffnung auf einen *nix-Port hier vorbei. Der SC ist halt das einzige Windows-Werkzeug, das mir seit Jahren fehlt.

  6. Michael sagt:

    Vielleicht hätte es ein Surface Pro 3 i7 ja auch getan. Wird unterschätzt das Gerät, lässt sich auch als Tablet verwenden und mit Stilus verwenden und man hat Wischgesten auf dem Monitor, ausser dem lassen sich bis zu 4 Monitore anschließen. Zur Datensicherung verwende ich Crashplan in die Cloud, kann ich nur empfehlen. Ich mag aber auch iOS und den Mac, aber zeitlich schaffe ich nicht alles, um alles auszuprobieren.

    • Sven sagt:

      Das Surface Pro 3 hätte keines der Probleme behoben, die ich im Beitrag aufgezählt habe. Da hätte ich auch mit dem PC weitermachen können, der zudem noch bedeutend leistungsfähiger ist als das Surface mit seinem 1.7 GHz Dualcore-Prozessor.

  7. Ingo Bollmann sagt:

    Hallo Sven, bin wieder mal per Mail auf die neue SC-Version aufmerksam gemacht worden. Vor ich-weiß-nicht-wieviel-Jahren habe ich den SC eher zufällig entdeckt und sehr schätzen gelernt. Und darum sogar eine richtige Lizenz gekauft, was damals eher selten war… 😉 Der SC war das non-plus-ultra des Dateimanagements für Windows. Ich bin allerdings vor sieben Jahren komplett auf Mac OS umgestiegen. Die Windows-VM auf meinen Mac´s kommt so gut wie nie zum Einsatz und könnte man eher als Erinnerung an die alten Zeiten sehen. Aber ich bin bis heute ein Fan des SC und habe immer noch den Newsletter abonniert. Denn mir fehlt der SC und ich hoffe weiterhin auf den Newsletter, in dem der SC für macOSX angekündigt wird. Thx und weiter so, Ingo

  8. Wolfgang Haring sagt:

    Hallo Sven.
    Angefangen mit dem Norton-Commander unter DOS, habe ich mich im Laufe meiner Windows-Jahre so an den SC gewöhnt, dass er mir nach meiner Umstellung auf den MAC richtig fehlt. Alle Ersatzprogramme reichen nicht an ihn heran. Er fehlt mir richtig. Hoffentlich lese ich mal, dass es den SC auch für den MAC gibt.
    Grüssle aus dem “Wilden Süden”
    Wolfgang

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