Komfortabler Dateimanager mit vielen Funktionen

Eine Woche mit Visual Studio 2005

By Sven on 11.05.2006 - 12:20 in Visual Studio 2005

Letzte Woche habe ich mich dazu gezwungen, alle Aufgaben mit Visual Studio 2005 durchzuführen. Nach vielen Jahren Entwicklung mit dem inzwischen acht Jahre alten Visual Studio 6 hat man sich aber an gewisse Dinge gewöhnt, die man ohne Zwang nicht so einfach aufgeben will. Dementsprechend hat es das VS2005 bei mir auch recht schwer, obwohl man meinen könnte, dass das sieben Jahre jüngere Produkt den alten Hasen ausstechen müsste.

1. Langsamer Editor

Ich benutze einige Makros, die mir vordefinierte Textblöcke auf Tastendruck an der aktuellen Stelle im Quelltext einfügen. Im VS2005 dauert das immer zwischen einer und zwei Sekunden, man kann dem Editor quasi dabei zusehen, wie er die aktuelle Zeile nach unten verschiebt und den Textblock einfügt. Der VC6 macht das so schnell, dass man die Zeit überhaupt nicht messen kann.

2. Projektmappen-Explorer

Die Baumansicht im Projektmappen-Explorer wird komplett neu gezeichnet, wenn man ein Projekt oder einen Ordner zum ersten Mal nach dem Start aufklappt. Klappt man ihn zu und wieder auf, dann geschieht das für diesen einen Eintrag in Zukunft ohne Flackern. Nach dem Schließen des letzten Fensters wird die Baumansicht ebenfalls sichtbar aktualisiert, obwohl hier eigentlich kein Grund dafür existiert. Das Flackern erzeugt bei mir eine ziemlich unruhige Stimmung. Leider wird auch der Status aller aufgeklappten Zweige gespeichert und beim nächsten Start wiederhergestellt. Im Gegensatz zum VC6 muss man daher alle aufgeklappten Einträge auch selbst wieder zuklappen, um bei umfangreichen Projekten nicht die Übersicht zu verlieren.

3. Geringfügig größere Fontdarstellung

Als Schriftart im Editor verwende ich schon seit vielen Jahren Courier New in Größe 10. Das Auge hat sich daran gewöhnt und möchte nichts anderes sehen. Natürlich lässt sich die gleiche Schriftart auch im VS2005 einstellen, allerdings scheint Microsoft hier andere Maße zu verwenden. Die wohlgemerkt gleiche Schriftart mit gleicher Größe (10) wird im VS2005 etwas größer dargestellt, so dass natürlich auch weniger Zeilen zu sehen sind. Ich habe es versuchsweise mal mit einer 9er-Schrift probiert, diese ist mir aber für die tägliche Arbeit zu klein.

4. Dialogeditor

Die Arbeit mit dem Dialogeditor ist extrem gewöhnungsbedürftig. Alle Angaben zu einem Dialogfeld werden nun im Eigenschaften-Fenster vorgenommen. Im VC6 erscheint auf Doppelklick oder <Enter> ein kleines Fenster, die verschiedenen Optionen sind auf mehreren Registerkarten gruppiert. Auf Wunsch kann das Fenster auch über einen Pin gesteuert ständig sichtbar bleiben. Genau dieses seit Jahren gewohnte Verhalten zum Ändern eines Textes wird einem im VS2005 zum Verhängnis. Ein <Enter> auf ein Dialogelement löscht einfach den Text des Elementes, und das auch noch ohne jedwede Undo-Möglichkeit. Man muss also den Text erneut eingeben (sofern man ihn noch weiß) oder VS2005 ohne Speichern der Dialogvorlage beenden und neu starten. Ich hatte das Problem natürlich auch im Betatest an Microsoft weitergeleitet, das ganze ist „Resolved as by Design“:

Thanks for reporting the issue. However, setting the cursor for the Caption property isn’t a guaranteed operation. Hence the decision is to do in-place editing of captioning. The behavior you see is an artifact of that.

Übrigens war dieses Problem auch schon im VS.NET 2003 enthalten. Für mich ist das immer noch ein klarer Showstopper.

Bei eigenen vordefinierten längeren Initialisierungstexten für Kombinationsfelder verliert man nun recht schnell den Überblick. Im VC6 sind diese Texte noch in einem mehrzeiligen Editierfeld bearbeitbar, in VS2005 hat man nur noch ein einzeiliges Editierfeld.

5. Stringtable-Editor

Öffnet man eine Stringtabelle zum Bearbeiten, dann werden die Einträge nicht automatisch nach aufsteigender ID sortiert, sondern in der Reihenfolge, wie sie in der jeweiligen .rc-Datei enthalten sind. Wenn man also auf eine sortierte Darstellung wie im VC6 Wert legt, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als jedesmal zuerst auf die entsprechende Spalte zu klicken. Auch dies ist „Resolved as by Design“:

We encourage you to click on the column header to sort the way you want since there is no automatic sorting as you add or change items. Thanks for your report.

Mittlerweile hat Microsoft aber wohl ein Einsehen gehabt und einen Fix eingecheckt. Ich warte gespannt auf das SP1.

6. Eigenschaften-Fenster für Botschaften und Befehle

Das Eigenschaften-Fenster zum Hinzufügen von Handlern für Botschaften und Ereignisse ist kein Alternative zum gewohnten Class Wizard. Da sich der Inhalt des Eigenschaften-Fensters an die aktuelle Cursorposition anpasst, ist es nicht ganz einfach, einen Punkt zu finden, der einem das Bearbeiten ermöglicht. Nach meinen Erfahrungen muss man sich in der Headerdatei innerhalb der Klassendefinition befinden, allerdings nicht in einer Zeile mit einer Funktion. Im VC6 ist ein Tastendruck in der jeweiligen Quelltextdatei sehr viel fixer.

7. Zugriff auf die geöffneten Fenster

Die geöffneten Fenster werden im VS2005 als Registerkarten in einer Reihe angezeigt. Wenn man dann einmal ein paar mehr Fenster geöffnet hat, dann rutschen die zuerst geöffneten Fenster nach rechts heraus und sind nur noch über ein Menü erreichbar. Im VC6 verwende ich schon seit vielen Jahren WndTabs, welches die geöffneten Dateien auf Wunsch logisch gruppiert und auch ständig sichtbar hält. Leider gibt es keine Version für VS2005. Letztlich würde das wohl auch durch die geänderten Objektmodelle auf eine komplette Neuentwicklung hinauslaufen, und dazu fehlt Oz Solomon leider die Zeit.

8. Visual Assist

Der letzte Punkt ist eher Visual Assist zuzurechnen. Im VC6 verwende ich noch Visual Assist 6, in dem es die von mir heißgeliebte Funktion „Display best guesses in inverse tooltips“ gibt. Visual Assist analysiert dabei das Tippverhalten und schlägt zuletzt häufig benutzte passende Eingaben vor. Das inverse InfoTip verschwindet nach einer einstellbaren Zeitspanne von selbst, alternativ lässt sich mit <Tab> der angezeigte Text übernehmen. Die Trefferrate ist dabei äußerst beeindruckend. In der aktuellen Version von Visual Assist X für VS2005 werden statt einem Vorschlag gleich mehrere passende in einem Auswahlfeld angezeigt. Für mich ist das aber eher ein Rückschritt, da das Auge nun auf einen größeren Bereich zu achten hat.

Leider muss ich das Fazit ziehen, dass der VC6 für mich auch weiterhin die erste Wahl bleibt. Von den Funktionen her ist VS2005 ohne Zweifel sehr viel mächtiger, allerdings sind viele Kleinigkeiten, die für meine tägliche Arbeit wichtig sind, im VC6 viel besser gelöst. Für mich ist der VC6 einfach das ausgereiftere Produkt. Ich frage mich aber auch, ob ich der einzige bin, dem die oben erwähnten Sachen auffallen und stören.

Es gibt 8 Kommentare zu diesem Beitrag

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  1. Coder sagt:

    Hab zwei Wochen Visual Studio 2005 getestet und dann wieder gelöscht. Warum umsteigen wenn Visual Studio 6 viel besser ist?

  2. Sven sagt:

    Schön zu lesen, dass auch andere dies so sehen. Ein Umstiegsgrund wäre auch die neue MFC gewesen, aber das hat sich ja nun mit deren Rückportierung auf den VC6 auch erledigt. 🙂

  3. Dietrich sagt:

    So ist es! Ich vermisse den class wizard sehr. der aufbau und das design in vc6 war auch schöner.

  4. Armin sagt:

    Hallo Leute,

    Ich habe VC6 auf Win-XP installiert, wenn ich ein beliebiges Projekt comilieren will bringt es immer eine Fehlermeldung, ist es auch bei euch so?
    Wenn ja wie kann man dieses Problem lösen.
    Vielen Dank für eure Antworten im Voraus.

  5. DarioFrodo sagt:

    Ich sehe mich gezwungen Visual Studio 2005 Express zum compilern zu verwenden, da sich enuere Bibliotheken wie Ogre oder CEGUI nicht mehr mit VC6 compilern lassen. Aber trozdem schreibe ich den Code in VC6 und compilere dann mit VC8.

  6. Sven sagt:

    Mittlerweile habe ich VC6 entsorgt und entwickle nur noch mit VC9. 😉

  7. Peter sagt:

    Ich plage mich auch seit neustem mit VS2005 rum. Alles wieder mal irgendwie anders. Der Versuch eine alte dll einzubinden läst mich momentan um jahre altern. Ich befürchte fast das ich die dll selbst neuschreiben muss. Informationen wie eine dll eingebunden werden kann sind irgendwie rar (vermutlich weil das produkt viele schon in die tonne getreten haben) aber vielleicht findet sich doch ein profi hier *g also falls jemand weiß wie ich in vs2005 ne headadatei von vs6 einbind und die dazugehörige lib unterschieb (bei vs6 ging das ja einfach im projectexplorer) oder nen passenden link bin ich um ne mail mit weiterhelfenden infos dankbar.

  8. Tom sagt:

    Kann dem nur zustimmen. Nach fast 15 Jahren bin ich zum ertsen mal echt entäuscht von dem was da Microsoft
    abgeliefert hat. Nicht nur das die gesamte Entwicklungsumgebung gewöhnungsbedürftig ist, auch der Transfer
    alter Projekte ist ein Graus (/Zc:forScope oder MSXML2-Prefix). Ich habe auch noch nicht den kleinsten Schmimmer
    wie ich meine vielen Witzzards konvertieren soll. Leider wird mir nix anderes übrig bleiben, aber wenigstens
    bin ich nicht der einzige…

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